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Die Liturgie der Neuapostolischen Kirche
Einleitung – allgemeine Hinweise zum Gottesdienst
Der Begriff „Liturgie“, der vom altgriechischen Wort leiturgeia („öffentlicher Dienst“) abgeleitet wurde, bezeichnet den festgelegten Ablauf des Gottesdienstes, die Worte, Handlungen und Gesten, die in ihm vorkommen. Gottesdienst ist einerseits Dienst Gottes am Menschen; dies wird u. a. durch die vom Heiligen Geist inspirierte Predigt, die Feier der Sakramente und den Segen deutlich. Andererseits bedeutet Gottesdienst: Dienst des Menschen vor Gott. Dieser Dienst zeigt sich u. a. im Gesang, Gebet und Bekenntnis.
Der Gottesdienst hat seinen Ursprung in der geschichtlichen Selbstoffenbarung des dreieinigen Gottes. Er hat die Aufgabe, an diese Selbstoffenbarung Gottes zu erinnern, sie aber auch durch Wort und Sakrament unmittelbar erfahrbar zu machen. Von daher hat der Gottesdienst eine heilsvermittelnde Funktion. Die einzelnen gottesdienstlichen Elemente – Wortverkündigung, Sakramentsfeier und -spendung, Gebet und Segen – sind also nicht willkürlich, sondern notwendig. In welcher Weise diese Elemente konkret ausgestaltet werden und wie der Ablauf des Gottesdienstes im Einzelnen ist, das ist von der jeweiligen Zeit und ihren Gegebenheiten geprägt. Deshalb ändert sich im Laufe der Zeit die äußere Gestalt von Gottesdiensten. Ihr Ablauf wird vom Apostolat, das für die Kirchenordnung zuständig ist, verbindlich festgelegt.
Ein Gottesdienst ist grundsätzlich ein öffentliches Geschehen, denn er ist Bekenntnisakt der christlichen Gemeinde vor der Welt. Damit diese Öffentlichkeit zustande kommt, ist zumindest ein Gottesdienstbesucher notwendig. Neuapos tolische Gottesdienste werden immer von Geistlichen geleitet, die dazu vom Apostolat bevollmächtigt sind.
Der neuapostolische Gottesdienst zeichnet sich durch Schlichtheit und Konzentration auf Predigt und Sakrament aus. Doch bedeutet das nicht, dass das liturgische Geschehen insgesamt etwas Nebensächliches wäre. Vielmehr verlangt es große Konzentration, denn eine wesentliche Aufgabe der Geistlichen ist es, Gottes Gegenwart und Heiligkeit in den Gottesdiensten zugänglich zu machen und spürbar werden zu lassen.
Die Liturgie gibt die festgelegte Struktur vor, in der sich alles gottesdienstliche Geschehen einheitlich und würdig vollzieht. Die wiederkehrenden Bestandteile im Ablauf eines Gottesdienstes haben u. a. die Aufgabe, den Gläubigen die stetige und verlässliche Zuwendung Gottes deutlich zu machen. So können diese sich in der unwandelbaren Treue Gottes geborgen fühlen. Zudem erhalten die mit der Leitung des Gottesdienstes Betrauten durch die Liturgie Sicherheit in ihrem Handeln.
In der Neuapostolischen Kirche gibt es zwei Formen des Gottesdienstes: den Gottesdienst (mit Sakramentsspendung) und den Wortgottesdienst (ohne Sakramentsspendung). Der Gottesdienst mit Sakramentsspendung wird als Hauptgottesdienst bezeichnet.
Die Predigt
Das Wort Gottes aus dem Heiligen Geist spendet und erhält göttliches Leben. Es wird in der Predigt hörbar, die den Willen Gottes kundmachen will. Dies erfordert von den Geistlichen Heiligung und eine gewissenhafte Vorbereitung auf die Predigt.
Die Sakramente
Das göttliche Wort, von dem alles Reden von Gott ausgeht, ist Jesus Christus, das ewige, schöpferische Wort (Joh 1,1–3). In Jesus Christus sind auch die Sakramente begründet: die Heilige Wassertaufe, die Heilige Versiegelung und das Heilige Abendmahl. Der Mensch erfährt in ihnen Gottes Heilshandeln. In den Sakramenten wird das göttliche Wort, das in Jesus Fleisch geworden ist, für die Gläubigen erfahrbar. [1]
Die Gebete
Gebete sind Zwiesprache mit Gott und Antwort des Menschen auf die Hinwendung Gottes zu ihm. Durch sie zeigt der Mensch, dass er Gemeinschaft mit Gott haben will und sich Richtungsweisung von ihm wünscht.
Auch hat das gemeinsam gesprochene Vaterunser Bekenntnischarakter. So ist der Gottesdienst neben der Wortgemeinschaft und Sakramentsgemeinschaft auch Bekenntnisgemeinschaft.
Die geistlichen Gesänge
Geistliche Lieder, die im Gottesdienst gesungen (oder instrumental vorgetragen) werden, sind für die versammelte Gemeinde Ausdruck ihrer Gemeinschaft. Über den Liedtext verbindet sich die Gemeinde nicht nur untereinander, sondern auch mit Gott. Auch geben die geistlichen Gesänge dem Gottesdienst den feierlichen Rahmen, mit dem allen am Gottesdienst Teilnehmenden der Zugang zum Wirken Gottes erleichtert werden soll.
Der Schlusssegen
Der trinitarische Segen am Schluss des Gottesdienstes soll die Gläubigen in ihren Alltag begleiten. Sie können auf die Gnade Gottes vertrauen, dürfen sich in der Liebe Gottes geborgen fühlen und sich der Leitung durch den Heiligen Geist gewiss sein. Sie dürfen der bewahrenden Gegenwart Gottes in ihrem Leben versichert sein, um es im Sinne des Evangeliums zu führen.
Hinweise zur Gottesdienstgestaltung
Alle Geistlichen müssen ihren Dienst im Gottesdienst in dem Bewusstsein der Gegenwart Gottes verrichten. Dies beginnt mit dem Eintreten in die versammelte Gemeinde. Das Gottesdienstgeschehen soll insgesamt feierlich, in Ruhe und Würde, gestaltet werden.
Die Geistlichen, die an der Wortverkündigung beteiligt sind, müssen sich zudem bewusst sein, dass sie am Altar Gottes stehen und Gottes Wort verkündigen. Dazu müssen sie auf ihre Sprechweise, ihre Wortwahl und ihr Auftreten im Gottesdienst achten. Am Altar soll nicht eintönig und undeutlich, sondern verständlich, mit lebendiger Stimme und nicht zu schnell gesprochen werden.
Der Blickkontakt zur Gemeinde während der Predigt schafft eine Atmosphäre der Offenheit und der Nähe. Eine angemessene Gestik und Mimik sollten die Worte begleiten und sie verständlicher machen.
Zu den gemeinsamen Gebeten erhebt sich die Gemeinde. Bei allen Gebeten schließen Geistliche und Gemeinde die Augen. Während der anderen liturgischen Elemente (trinitarischer Eingang, Freisprache, Segens- und Sakramentsspendung etc.) können die Augen geöffnet sein.
Auf jedes „Amen“ der Dienenden antwortet die Gemeinde mit „Amen“.
Herrichten des Altars
Das Herrichten des Altars muss rechtzeitig vor Eintreffen der Gemeinde geschehen. Die Abendmahlsgeräte sollen nach dem Gottesdienst so lange auf dem Altar verbleiben, bis die Gemeinde den Gottesdienstraum verlassen hat.
Dauer des Gottesdienstes
Der Gottesdienst sollte eine Dauer haben von:
- Sonntags- und Feiertagsgottesdienst: 60 Minuten
- Wochentagsgottesdienst: 45 Minuten
Durch Sakraments- oder Segenshandlungen und bei Festgottesdiensten kann sich die Dauer des Gottesdienstes angemessen verlängern.
Vor dem Gottesdienst
Die Zeit vor dem Gottesdienst hat einstimmenden und vorbereitenden Charakter und dient der persönlichen Heiligung.
- Begrüßung der Gemeindemitglieder
- Zeit für persönliches Gebet
- Musikalische Beiträge
- Begrüßung bei besonderen Anlässen (z. B. Begrüßung eines Hochzeitspaares in der Sakristei)
- Stille in der Gemeinde (ca. drei Minuten vor Gottesdienstbeginn)
- Heiligung und Gebet der Geistlichen in der Sakristei, ggf. im Beisein der Diakoninnen und Diakone
Zusammenfassung
Der Gottesdienst – Begegnung von Gott und Mensch – ist eine vorweggenommene Erfahrung der zukünftigen Gemeinschaft mit dem dreieinigen Gott, zu der die Wiedergeborenen aus Wasser und Geist berufen sind. Er ist Mittelpunkt des kirchlichen Lebens. Sein Ablauf gestaltet sich vom Eingangslied bis zum Schlusslied gemäß der verbindlich festgelegten Liturgie. Dadurch wird Beliebigkeit in der Durchführung der Gottesdienste vermieden und die Einheit der Kirche gestärkt und bewusst gemacht.
Die nachfolgenden Erläuterungen zur Liturgie sollen das Verständnis für das gottesdienstliche Geschehen vertiefen.
[1] Bei den Sakraments- und Segensspendungen wird das „liturgische Du“ genutzt; in den jeweiligen Ansprachen wird in der Regel die Sie-Form verwendet.