Zum Jahr der Bibel: Kinderbibeln

<R.K./L.S.> Schon in der Zeit der Reformation, also im 16. Jahrhundert, findet sich die Bezeichnung "Kinderbibel". Allerdings ist hiermit zunächst eine kurze Darstellung der wichtigsten christlichen Lehren für Kinder gemeint. Ausgangspunkt dafür war nicht die Bibel, sondern Luthers Kleiner Katechismus. Kindern und Erwachsenen sollte das Evangelium aus Sicht der Reformatoren in einfacher Form nahe gebracht werden.

Durch Luthers Übersetzung wurde die Bibel gleichsam zu einem deutschen Volksbuch, doch trotzdem war sie nicht jedem verständlich. So ging man daran, die Bibel für Kinder zu bearbeiten. Aus der großen Vielfalt der biblischen Texte wurden geeignete Passagen ausgewählt und in eine einfache, unmittelbar verständliche Sprache gefasst.

Die Zeit der Aufklärung
Im 17. und 18. Jahrhundert entstand ein große Anzahl solcher Bearbeitungen, in denen natürlich das theologische Denken und die konfessionellen Unterschiede zwischen den einzelnen Verfassern zum Ausdruck kamen. So entstanden Kinderbibeln im Geiste des Pietismus, des Rationalismus, der Aufklärung und konservativer konfessioneller Strömungen.

Als Beispiel aus dem 18. Jahrhundert dient uns Johannes Hübners (1688 - 1731) "Zweymahl zwey und funffzig Auserlesene Biblische Historien der Jugend zum Besten abgefasst" mit 104 Holzschnitten von 1714. Hier wurde versucht, die biblischen Texte kindgerecht, bibelnah und zeitgemäß darzustellen. Die biblischen Texte sind teilweise gereimt. Durch das Buch sollte die persönliche Frömmigkeit geweckt und gefördert werden. Hübners "Biblische Historien" waren in ganz Deutschland verbreitet und wurden in mehrere Sprachen übersetzt.

Das 19. Jahrhundert
Im 19. Jahrhundert verfasste der Schweizer Dichter und evangelische Theologe Johann Peter Hebel (1760 - 1826) die "Biblischen Geschichten". Das Buch erschien 1824. Es zeichnet sich durch besondere Volkstümlichkeit aus und fand viele Leser. Hebel schrieb: "Aufrichtig gesprochen, ich habe das Büchlein mit Liebe für mein Vaterland geschrieben, ich habe fast bei jeder Zeile im Geist oberländische Kinder belauscht. Denn immer, wenn ich schrieb, habe ich mir meinen alten Schulmeister Andreas Grether in Hausen und mich und meine Mitschüler unter dem Schatten seines Stabes gedacht." Hebel wollte die biblischen Begebenheiten in die Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen übertragen. Es war nicht seine Absicht, ihnen die geographisch und zeitlich ferne Welt des Orients nahe zu bringen. Die "Biblischen Geschichten" erlebten 1825 sogar eine katholische Bearbeitung und später mehrere Übersetzungen. Das Buch findet auch heute noch seine Leser und ist im Buchhandel erhältlich.

Das 20. Jahrhundert
Selbstverständlich gab es auch im 20. Jahrhundert das Bedürfnis, den Kindern die biblischen Geschichten in zeitgemäßer Ausdrucksweise nahe zu bringen. Allerdings wurden die Bibeltexte vielfach außerordentlich frei nacherzählt und in bedenklicher Weise ausgeschmückt.

Eine der erfolgreichsten Kinderbibeln des 20. Jahrhundert hat den niederländischen Jugendschriftsteller Anne de Fries zum Autor. Seine Kinderbibel erschien zuerst 1955 und hatte im Jahr 1986 eine Gesamtauflage von 1 428 000 Exemplaren; eine Neubearbeitung dieses Werkes erschien 1988; eine weitere vielgelesene Kinderbibel verfasste 1974 Jenny Robertson, sie wurde 1976 als Brunnen-Kinderbibel in Deutschland veröffentlicht.

Innerhalb der Neuapostolischen Kirche war lange Zeit das Buch "Biblische Geschichte" in Gebrauch. Es diente als Vorlesebuch im Unterricht und zu Hause. Viele Kinder sind durch dieses Buch an die Bibel herangeführt worden. Es zeichnet sich durch besondere Nähe zum Bibeltext aus. Außerdem werden besonders viele biblische Begebenheiten nacherzählt. Allerdings ist die Sprache dieses Werkes heute für Kinder nicht mehr verständlich. Die neue Kinderbibel "Gottes Wege" (siehe www.bischoff-verlag.de) spricht eine zeitgemäße und kindgerechte Sprache. Sie stammt von Klaus Knoke und zeichnet sich ebenfalls durch große Bibelnähe aus.

"Gottes Wege" - eine neue Kinderbibel
Diese Kinderbibel hat die Lutherbibel in der Fassung von 1984 zur Grundlage. Einfacher Wortschatz, einfacher Satzbau (hauptsächlich Aussagesätze), direkte Rede sind Kennzeichnen dieses Werkes. Der Bibeltext wird nicht ausgeschmückt oder erweitert, sondern in seinem ursprünglichen Bestand erhalten. Beispiel für den Stil der Übersetzung:

"Gottes Bote kommt zu Josef. Maria war verlobt mit Josef. Aber sie waren noch nicht zusammengezogen in sein Haus. Und nun war es zu sehen: Sie erwartet ein Kind. Josef, ihr Verlobter, wusste: Das Kind ist nicht von ihm. Aber er war ein guter Mensch und wollte Maria nicht vor Gericht bringen. Darum dachte er: "Ich mache keine große Sache daraus. Ich löse die Verlobung einfach auf."

Zum Vergleich Lutherbibel 1984:

"Jesu Geburt. Die Geburt Jesu Christi geschah aber so: Als Maria, seine Mutter, dem Josef vertraut war, fand es sich, ehe er sie heimholte, dass sie schwanger war von dem Heiligen Geist. Josef aber, ihr Mann, war fromm und wollte sie nicht in Schande bringen, gedachte aber, sie heimlich zu verlassen.

Der geschichtliche und kulturelle Zusammenhang
Biblische Texte werden besser verstanden, wenn man sie vor ihrem historischen Hintergrund betrachtet. Deshalb ist die Kinderbibel des Friedrich Bischoff Verlags mit einer Zeitleiste ausgestattet. Sie macht zum einen deutlich, in welcher geschichtlichen Zeit sich die Ereignisse abgespielt haben und zum anderen, was sich gleichzeitig in anderen Kulturkreisen ereignete. Der Rahmen ist denkbar weit: Die biblische Geschichte wird neben die Europas, Ägyptens oder Chinas gestellt. Die Zeitleiste wird unterstützt durch Hintergrundinformation, die Personen, Begriffe und Begebenheiten erläutern, wie zum Beispiel Herodes: "Herodes der Große (*etwa 72 v. Chr.) ist von 37 bis 4 v. Chr. König in Palästina. Obwohl er selbst Idumäer und kein Jude ist, lässt er den Tempel in Jerusalem in prächtiger Weise ausbauen (seit 20 v. Chr.). Ansonsten schreckt er vor keiner Gewalttat zurück und ermordet selbst seine eigenen Verwandten. Nach seinem Tod wird sein Königreich unter seinen Söhnen Herodes Archelaus, Herodes Antipas und Philippus aufgeteilt."


Klaus Knoke: Gottes Wege. Die Bibel von Klaus Knoke nacherzählt
450 Seiten, gebunden, Format: 24,5 × 23 cm
€ 19,90 / CHF 35,10
Best.-Nr. 6030
Zu bestellen unter vertrieb@bischoff-verlag.de

 

26 November 2003