Die Liturgie der Neuapostolischen Kirche

1.2.3 Sakramentsteil

Vorbereitung auf Sündenvergebung und Abendmahlsfeier

Nach Abschluss des Predigtteils wird die Gemeinde auf die Sündenvergebung (Absolution) und Abendmahlsfeier vorbereitet.

Dass Sündenvergebung möglich ist, verdankt sich einzig der Gnade Gottes. Seine Liebe zu dem sündigen Menschen zeigt sich in der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus und dessen Tod am Kreuz. Dieses vollkommene, ewig gültige Opfer ist die Grundlage der Sündenvergebung.

Die Vergebung der Sünden (Absolution) ist kein Sakrament, wohl aber Voraussetzung zum würdigen Empfang der Sakramente.

Das anschliessende Heilige Abendmahl verbürgt die Lebensgemeinschaft mit Jesus Christus.

Inhalte der Vorbereitung können sein:

  • Anleitung zur Busse
  • Erinnerung an die Fusswaschung Jesu Christi (Selbsterniedrigung)
  • Erkenntnis der eigenen Sündhaftigkeit und Schuld
  • Vergebungs- und Versöhnungsbereitschaft
  • Dank für das Opfer Jesu Christi
  • Vergegenwärtigung des Opfers Jesu Christi
  • Erinnerung an Leiden und Opfertod Jesu Christi
  • Erinnerung an die Einsetzung des Abendmahls
  • Erinnerung, dass die rechte Sakramentsverwaltung dem Apostelamt obliegt
  • Bußlied oder Moment der Stille

Nach den vorbereitenden Worten zur Sündenvergebung und zum Heiligen Abendmahl singt die Gemeinde das Bußlied.

Das Bußlied ist gemeinsames Sündenbekenntnis vor Gott und voreinander.

Beim Bußlied sitzt die Gemeinde. Der Chor steht, wenn er zum Einsatz kommt.

Anstelle des Bußliedes kann der/die Gottesdienstleitende die Gemeinde zu einem Moment der Stille einladen (max. Dauer: eine Minute). Ein Moment der Stille kann helfen, sich zu besinnen, um durch Reue und Busse Gottes Nähe zu erfahren. Die Gemeinde bleibt dabei sitzen.

Vaterunser

Der/die Gottesdienstleitende lädt die Gemeinde zum Gebet „Unser Vater“ ein. Dies kann mit folgenden Worten geschehen:

„Wir wollen uns zum Gebet, das der Herr Jesus uns gelehrt hat, erheben.“

Das Vaterunser wird von der Gemeinde stehend gesprochen.

Freisprache (Absolution)

Nach dem Vaterunser folgt die Absolution mit folgendem Wortlaut:

„Im Auftrag meines Senders, des Apostels, verkündige ich euch die frohe Botschaft: In dem Namen unseres Herrn Jesus Christus, Sohn des lebendigen Gottes, sind euch die Sünden vergeben. 
Der Friede des Auferstandenen sei mit euch! Amen.“

Damit wird zum Ausdruck gebracht, dass das priesterliche Amt zur Verkündigung (Proklamation) der Sündenvergebung vom Apostolat bevollmächtigt ist.

Die Freisprache ist kein Gebet. Sie kann mit geöffneten Augen gesprochen werden; der Text kann vorgelesen werden.

Während der Freisprache steht die Gemeinde. Sie bestätigt die gläubige Annahme der Vergebung und des Friedens Jesu mit „Amen“.

Opfergebet

Das Opfergebet beinhaltet Lob und Dank für das Opfer Jesu Christi. Es dient dazu, an Leiden und Tod des Herrn zu erinnern. Zugleich weist es darauf hin, dass Jesus Christus das Sakrament des Heiligen Abendmahls im Kreis seiner Apostel gestiftet hat.

Inhalte des Opfergebetes können sein:

  • Dank für die erwiesene Gnade in der Sündenvergebung
  • Dank für das Opfer Jesu Christi
  • Dank für die Stiftung des Heiligen Abendmahls
  • Dank für die Sendung des Apostolats in Vergangenheit und Gegenwart
  • Anrufung des Heiligen Geistes (Epiklese), der die Gegenwart von Leib und Blut Jesu gewährleistet und hilft, das Mahl zum Heil und zur Stärkung zu empfangen

Das Opfergebet wird mit „Amen“ abgeschlossen. Die Gemeinde bekräftigt mit „Amen“.

Weitere Sakramente und Segenshandlungen

Nach der Freisprache und dem Opfergebet, jedoch noch vor der Aussonderung des Heiligen Abendmahls, werden ggf. Sakramentsspendungen und Handlungen vollzogen: die Heilige Wassertaufe, die Heilige Versiegelung sowie Aufnahme oder Konfirmation.

Sind mehrere Handlungen vorgesehen, werden sie in folgender Reihenfolge durchgeführt:

  • Heilige Wassertaufe
  • Aufnahme
  • Heilige Versiegelung
  • Konfirmation

Die Handlungen können mit einem musikalischen Beitrag umrahmt werden.

Durch die Sündenvergebung ist jene Heiligung geschehen, die für die Hinnahme der Sakramente und die genannten Handlungen notwendig ist. Die Sakramente und Handlungen haben auch Bekenntnischarakter. Damit ist die dauerhafte Teilnahme am Heiligen Abendmahl verbunden.

Nach den Handlungen empfangen die betreffenden Gläubigen das Heilige Abendmahl gemeinsam mit der Gemeinde. Dadurch kommt zum Ausdruck, dass sie nun Teil der Gemeinde sind. Der gemeinschaftsstiftende Charakter des Heiligen Abendmahls wird damit verdeutlicht. Die Geistlichen und die Gemeinde bilden miteinander die Abendmahlsgemeinschaft.

Einleitung zum Heiligen Abendmahl

Nach dem Opfergebet - und ggf. den gerade erfolgten Sakramentsspendungen und Handlungen - leitet der/die Gottesdienstleitende die Abendmahlsfeier ein.

Empfohlene Einleitung zum Heiligen Abendmahl:
„Nun feiern wir das Heilige Abendmahl.“

Abdecken der Abendmahlsgefäße

Auf die Einladung zur Abendmahlsfeier folgen Augenblicke der Stille.

Das Abdecken der Abendmahlsgefäße wird in Ruhe vorgenommen. Es erfolgt in der Regel nicht durch den Gottesdienstleitenden / die Gottesdienstleitende. Sind keine weiteren Priesterinnen und Priester zugegen, kann dieses liturgische Geschehen von Diakoninnen und Diakonen übernommen werden.

Das Öffnen und Schliessen der Kelche und das Austeilen des Abendmahls wird vor dem Gottesdienst geregelt.

Sind die Geistlichen, welche die Abendmahlsgefäße abgedeckt haben, auf ihren Platz zurückgekehrt, kündigt der/die Gottesdienstleitende den Beginn der Aussonderung (Konsekration) der Sakramentsmittel mit folgenden, empfohlenen Worten an:

„Jetzt ist der Tisch des Herrn bereitet.“

Aussonderung (Konsekration)

Brot und Wein werden durch die Konsekration und das Sprechen der Einsetzungsworte in ihrer Substanz nicht verändert. Vielmehr tritt die Substanz von Leib und Blut Jesu hinzu (Konsubstantiation).

Innerhalb des Heiligen Abendmahls entsprechen Brot und Wein der menschlichen Natur und Leib und Blut der göttlichen Natur Christi.

Brot und Wein sind nicht Metaphern oder Symbole für Leib und Blut Christi; vielmehr sind Leib und Blut Christi wahrhaft anwesend (Realpräsenz).

Auch das Opfer Jesu Christi auf Golgatha ist im Heiligen Abendmahl gegenwärtig. So vergegenwärtigt die Abendmahlsfeier den Teilnehmenden immer wieder den Opfertod des Herrn, und sie können diesen überzeugt verkündigen.

Während der Aussonderung hat der/die Gottesdienstleitende die Arme ausgebreitet, wobei die Hände zu den Abendmahlsgefäßen weisen. Stehen Kelche nur auf einer Altarseite, zeigen beim Aussonderungsgestus beide Arme in diese Richtung.

Die Aussonderung kann mit geöffneten Augen gesprochen werden; der Text kann vorgelesen werden.

 

Aussonderung des Abendmahls

 

Aussonderung des Abendmahls

Aussonderungsformel

In dem Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes,Trinitarischer Beginn des Sakraments
sondere ich ausHandlung
Brot und Wein zum Heiligen AbendmahlBezeichnung der natürlichen Elemente, der Sakramentsmittel
und lege darauf das einmal gebrachte, ewig gültige Opfer Jesu Christi.Vergegenwärtigung des Opfers Christi und Hinzutreten von Leib und Blut Jesu Christi (Konsubstantiation)
Denn der HerrErinnerung an das Geschehen
nahm Brot und Wein, dankte und sprach:Verweis auf natürliche Elemente
Dank an Gott
Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird.Teilhabe an seinem Leben
Das ist mein Blut des neuen Bundes,Gegenwärtigkeit des Opfers Christi
das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden.Hinweis auf das Opfer als Grundlage der Sündenvergebung
Esst und trinkt!Einladung, an Leib und Blut Christi teilzuhaben
Das tut zu meinem Gedächtnis.Gedächtnismahl, Gedächtnis sowohl an sein bitteres Sterben als auch an seine Verheißung (Wiederholungsbefehl)
Denn, sooft ihr von diesem Brot esst und von diesem Wein trinkt,Gemeinschaftsmahl, das immer wieder stattfindet
verkündigt ihr den Tod des Herrn,Bekenntnismahl
bis er wiederkommt.Eschatologisches Mahl
Amen!Bekräftigung dessen, was zuvor verkündigt wurde.

Die Aussonderungsformel beinhaltet alle Grundaspekte des Heiligen Abendmahls, nämlich:

  • Gedächtnismahl - Erinnerung sowohl an die Stiftung des Abendmahls, an den Opfertod Christi als auch an seine Verheissung, wiederzukommen
  • Bekenntnismahl – Bekenntnis zu Opfertod, Auferstehung und Wiederkunft des Herrn
  • Gemeinschaftsmahl – Gemeinschaft Jesu mit seinen Aposteln, Jesu mit der Gemeinde und der Gemeinde untereinander
  • Eschatologisches Mahl – Vorwegnahme der Gemeinschaft mit Jesus Christus bei der Hochzeit im Himmel
  • Gegenwart des Opfers Christi – das Geschehen auf Golgatha wird gegenwärtig
  • Gegenwart von Leib und Blut Christi – der verherrlichte Leib des Herrn ist real gegenwärtig

Heiliges Abendmahl für die Geistlichen

Der/die Gottesdienstleitende nimmt den Kelch und reicht sich daraus das Heilige Abendmahl.

 

Selbstnahme der Hostie

Die Gemeinde steht so lange, bis die Geistlichen am Altar das Heilige Abendmahl durch den Gottesdienstleitenden / die Gottesdienstleitende empfangen haben. Währenddessen kann ein Musikbeitrag erfolgen.

Bekanntgabe der musikalischen Beiträge zur Feier des Heiligen Abendmahls

Ist der/die Gottesdienstleitende an den Altar zurückgekehrt und hat das Abendmahlsgefäß wieder abgestellt, setzt sich die Gemeinde. Anschliessend gibt der/die Gottesdienstleitende die musikalischen Beiträge zur Abendmahlsfeier bekannt.

Einladung zum Empfang des Heiligen Abendmahls

Es erfolgt die Einladung an die Gemeinde mit etwa folgenden Worten:

„Nun lädt der Herr zum Heiligen Abendmahl.“

Der/die Gottesdienstleitende überreicht die Abendmahlsgefäße an die Priester und Priesterinnen, die das Abendmahl darreichen werden.

Nach der Ausgabe der Kelche kann der musikalische Beitrag zum Heiligen Abendmahl beginnen. Er kann auch nach dem Abendmahlsempfang der Gemeinde stattfinden.

In Festgottesdiensten mit vielen Teilnehmenden kann die Ausgabe der Abendmahlsgefäße abweichend geregelt werden, z. B. mit musikalischer Begleitung.

Gegebenenfalls schliesst sich hier in besonderen Gottesdiensten eine Einladung der Gäste an, die am Heiligen Abendmahl teilnehmen können. Dazu können folgende Worte gewählt werden:

„Eingeladen sind alle Getauften, die sich zu Jesus Christus als dem Herrn, zu seinem Tod, seiner Auferstehung und seiner Wiederkunft bekennen.“

Auf Dauer teilnahmeberechtigt sind Versiegelte, Aufgenommene und neuapostolisch Getaufte. Gastweise können rite (mit Wasser und trinitarisch) Getaufte zugelassen werden. Ungetaufte sollen das Heilige Abendmahl nicht empfangen; jedoch soll niemand an der Teilnahme gehindert werden.

Ausgabe der Abendmahlsgefäße

Die innere Haltung der Geistlichen zum Heiligen Abendmahl soll sich in der äusseren Haltung widerspiegeln. Dies zeigt sich auch im würdevollen Umgang mit den Abendmahlsgefäßen.

 

Ausgabe des Kelches

 

Übergabe des Kelches

 

Ausgabe der Patene

 

Übergabe der Patene

Spendung des Heiligen Abendmahls

Die Darreichung der Hostie erfolgt mit den Worten:

„Der Leib und das Blut Jesu für dich gegeben!“

Kleinkindern, welche die Hostie nicht selbst nehmen können, kann die Hostie den sie begleitenden Erwachsenen dargereicht werden mit den Worten:

„Der Leib und das Blut Jesu für euch gegeben!“

Die Hostie soll dargereicht werden, wie auf dem nachfolgenden Foto dargestellt.

Die Darreichung von Leib und Blut Christi darf nicht unter Zeitdruck erfolgen. Bei der Spendung des Heiligen Abendmahls wird alles vermieden, was den Empfangenden in seiner Andacht stören oder die Heiligkeit des Sakraments beeinträchtigen könnte.

 

Darreichung der Hostie

Der Altar sollte während der Feier des Heiligen Abendmahls durch einen Geistlichen / eine Geistliche besetzt bleiben.

Zudecken der Abendmahlsgefäße

Die Abendmahlsgefäße werden dann zugedeckt, wenn die Gemeinde wieder Platz genommen hat und die Musikbeiträge zur Feier des Heiligen Abendmahls beendet sind. Das Zudecken erfolgt in der Regel durch die Geistlichen, die sie aufgedeckt haben. Findet noch die Feier des Heiligen Abendmahls für Entschlafene statt, bleiben die Kelche, die auf dem Altar aufgestellt sind, bis zum Ende dieser sakramentalen Handlung geöffnet.

Weitere Handlungen und Abschluss des Gottesdienstes

Das Apostolat spendet sonntags und zu kirchlichen Hochfesten den Entschlafenen das Heilige Abendmahl und ggf. auch die anderen Sakramente. Die Handlungen werden mit einem Musikbeitrag eröffnet und beendet. Erst nach Verklingen des letzten Musikbeitrags werden die Abendmahlsgefäße geschlossen. Die Gemeinde bleibt stehen.

Danach folgen gegebenenfalls

  • Ruhesetzung, Entbindung von einer Beauftragung oder Ernennung, die an ein Amt gebunden ist
  • Ordination, Beauftragung, Ernennung, Bestätigung
  • Entbindung von einem Dienst / Ernennung zu einem Dienst, der nicht an ein Amt gebunden ist
  • Verlobung, Trauung, Hochzeitsjubiläen

Auch hierzu kann ein musikalischer Rahmen vorgesehen werden. Die Gemeinde setzt sich in diesem Fall.

Schlussgebet

Empfohlene Einleitungsworte:
„Wir wollen uns zu Gebet und Segen erheben“.

Das Schlussgebet soll kurz sein, es kann folgende Inhalte haben:

  • Dank für Wort und Gnade
  • Bitte um Gottes Schutz, Hilfe und Wegbegleitung
  • Fürbitte für Notleidende, Kranke, Bedrängte und Verfolgte
  • Fürbitte für die, welche in Staat und Gesellschaft Verantwortung tragen
  • Bitte um Segen für die dargebrachten Opfer, den Einsatz für den Herrn und sein Erlösungswerk und Bitte um Segen für die Opfernden
  • Bitte um die Sammlung, Bereitung und Vollendung der Brautgemeinde
  • Bitte um baldige Wiederkunft Christi
  • Das Schlussgebet endet mit einem einfachen „Amen“.

Schlusssegen

Nach dem Schlussgebet folgt als gesondertes liturgisches Stück der Schlusssegen. Er lautet:

„Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen! Amen.“ (2Kor 13,13)

Der Schlusssegen wird mit nach oben gerichteten, ausgebreiteten Armen gespendet (Segensgestus). Die Handflächen weisen in Richtung der Gemeinde.

Segensgestus

An den Schlusssegen schliesst sich das dreifache „Amen“ als liturgischer Gesang der Gemeinde an.

Danach schliesst der/die Gottesdienstleitende die Bibel.

Abschliessender Musikbeitrag

Nach dem Schlusssegen erfolgt ein musikalischer Beitrag.